KMU-kooperativ. Innovationsförderung neu denken.

Neue Partner für Innovationsprozesse gewinnen

Kleine und mittlere Unternehmen erhöhen ihre Innovationskraft durch Kooperationen mit möglichst unterschiedlichen Partnern. Eine Beschränkung auf innerbetriebliche F&E und bereits bekannte Entwicklungspartner nutzt die Wertschöpfungspotenziale in KMU nicht voll aus.

Die Bandbreite unternehmerischer Herausforderungen in KMU ist vielfältig: Klassische Produkt- und Prozessinnovationen, moderne Technologien, neue Strategien zur Fachkräftegewinnung, adäquate Kundenansprache aber auch Fragen des Wissensmanagements oder der Nachhaltigkeit sind nur einige wenige Beispiele dafür.

Um diesen Herausforderungen mit Innovationskraft zu begegnen, braucht es ganz neue Ideen und Lösungsansätze. Die Zusammenarbeit mit möglichst unterschiedlichen Partnern führt zu unkonventionellen Sichtweisen und ist ein Weg, um Wertschöpfungspotenziale voll auszunutzen.

Gerade KMU verlassen sich oftmals noch einseitig auf die technischen Alleinstellungsmerkmale ihrer Produkte. Inzwischen erweitern jedoch einige Industrieunternehmen ihr Geschäftsmodell hin zu einer lebenszyklusorientierten Wertschöpfungskette oder ergänzen ihr industrielles Portfolio um Dienstleistungskomponenten.

Derartige ›hybride‹ Unternehmen zeichnen sich vergleichsweise durch eine deutlich bessere Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung aus.

Nicht-technologische Innovationen besser fördern

Weil Wettbewerbsvorteile nicht ausschließlich aus Produkt- und Prozessinnovationen entstehen, umfasst der Innovationsbegriff auch Organisations- und Marketinginnovationen. Diese finden in der Förderlandschaft jedoch noch zu wenig Berücksichtigung.

Deutschlands Unternehmen sind auch dank der öffentlichen Förderprogramme Vorreiter bei technologischen Innovationen. Ein dynamisches Wettbewerbsumfeld erfordert zunehmend größere Anstrengungen, um diese führende Rolle zu sichern.

Das Zusammenwirken technologischer und nicht-technologischer Innovationen erweitert die Möglichkeiten, Wertschöpfungspotenziale noch besser auszunutzen. Nicht-technologische Innovationen wirken als Katalysator für Produkt- und Prozessinnovationen, indem sie beispielsweise den Absatz fördern oder Kosteneinsparungen mit sich bringen.

Die Innovationsförderung in Deutschland ist hingegen noch immer überwiegend auf die Förderung technologischer Innovationen ausgerichtet.

Kultur- und Kreativwirtschaft als Katalysator nutzen

Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft wirken im Innovationsprozess als Katalysator sowohl für technologische als auch für nicht-technologische Innovationen. Je früher und enger die Einbindung kreativer Dienstleister erfolgt, desto größer sind die Wertschöpfungspotenziale.

Kultur- und kreativwirtschaftliche Unternehmen sind für viele Industrieunternehmen unverzichtbarer Partner für Innovationprozesse. Kleine und mittlere Unternehmen erkennen jedoch den Mehrwert der Einbindung kultur- und kreativwirtschaftlicher Leistungen nur selten und assoziieren diese einseitig mit Marketing und Design. Gerade für Unternehmen, die sich sehr auf die technischen Alleinstellungsmerkmale ihrer Produkte verlassen, erscheint die Einbindung externer Partner in eine frühe Phase des Innovationsprozesses überflüssig.

Eine im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erarbeitete Studie untersuchte die Innovationseffekte bei den Auftraggebern kultur- und kreativwirtschaftlicher Leistungen. Dabei wurde deutlich, dass diese insbesondere für die Emotionalisierung von Produkten, die funktionale Anpassung bestehender Produkte, die Entwicklung von Inhalten und neuen Produkten eingesetzt werden. Kaum eine Rolle hingegen spielt bisher die Unterstützung bei radikalen Innovationen in den für Auftraggeber fremden Märkten und bei der Einführung neuartiger Geschäfts- und Ertragsmodelle.

Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft als Innovationsbegleiter etablieren

Branchenübergreifende Innovationsprozesse erfordern kultur- und kreativwirtschaftliche Akteure, die ihre Kompetenzen über ihr Standardportfolio hinaus erweitern und den Mehrwert ihrer Leistungen für KMU vermitteln.

Für viele kultur- und kreativwirtschaftliche Unternehmen gehört die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus anderen Branchen zum Tagesgeschäft. Dabei werden sie bisher in den meisten Fällen mit der Erbringung klar definierter kreativ-schöpferischer Leistungen beauftragt, zum Beispiel mit einer Gestaltung oder Konzeption gemäß den Anforderungen des Auftraggebers. Die Einbindung kreativer Dienstleister in branchenübergreifende Innovationsprozesse stellt kultur- und kreativwirtschaftliche Akteure vor neue Herausforderungen. Diese bestehen insbesondere in der

  • Vermittlung des Wertes kultur- und kreativwirtschaftlicher Leistungen gegenüber Kunden,
  • Übertragung der kreativ-schöpferischen Arbeitsweise auf neue Anwendungsbereiche,
  • Entwicklung eines Verständnisses für die Produktions- und Marktbedingungen in anderen Branchen.

Vor allem Letzteres ist Voraussetzung, damit Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft ihre spezifische Leistungsfähigkeit erfolgreich in andere Branchen einbringen können.

Wirtschafts- und Innovationsförderung verändern

Klassische Instrumente aus Innovationsmanagement und Wirtschaftsförderung werden der Komplexität von Wertschöpfung und Wissensmanagement in KMU nicht ausreichend gerecht. Wirtschaftsförderung und Innovationsmanagement müssen selbst innovativer werden, wenn sie Neues adäquat unterstützen wollen.

Unternehmerische Herausforderungen sind vielgestaltig, Partnerschaften ›von der Stange‹ gibt es nicht. Innovationen entstehen weder nur im unternehmerischen Kontext noch ausschließlich im Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Daher ist es umso wichtiger, dass es unterschiedliche Formate gibt, über die Unternehmen die richtigen Partner finden und mittels derer sie an Innovationsprojekten arbeiten können. Zwar ist das Instrument der Ausschreibung vielen Unternehmen vertraut, jedoch bestehen in Bezug auf kultur- und kreativwirtschaftliche Leistungen in KMU große Unsicherheiten darüber, wie Fragestellungen in einem für die Kreativwirtschaft bearbeitbaren Aufgabenkatalog formuliert werden können.

Hier können Schnittstellenakteure eine wichtige Rolle spielen und die Unternehmen bei der Formulierung eines Lastenheftes für die passende kreativwirtschaftliche Leistung unterstützen. Unternehmen werden damit in die Lage versetzt, diese Leistung bei künftigen Vorhaben selbst zu erbringen.

Temporäre Veranstaltungen wie Barcamps, Un-Konferenzen, Ad-hoc Meetings, Pressure Cooker-Formate, FabLabs, Innovationswerkstätten oder Designcamps können dazu beitragen, dass Unternehmen geeignete Partner für die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt finden oder Ideen für ein Innovationsvorhaben entwickeln.

Schnittstellen professionell organisieren

Heterogene Partnerschaften sind gerade wegen der starken Innovationsimpulse, die von ihnen ausgehen können, mit besonderen Hindernissen konfrontiert. Schnittstellenakteure sichern die produktive Zusammenarbeit in Innovationskooperationen.

Die Struktur kleiner und mittlerer Unternehmen birgt eine Anzahl von Innovationsbarrieren. Dazu zählen:

  • Defizite im Innovationsmanagement: unstrukturiert, keine klaren Zuständigkeiten, keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung,
  • Geringe Akzeptanz externer Dienstleister,
  • Informationsasymmetrie: die Erfolgsaussichten von Innovationsprojekten (bei Zusammenarbeit mit Dritten) sind zu unsicher, insbesondere im Vergleich zu investiven Maßnahmen,
  • Zeitlicher und finanzieller Aufwand für Innovationsprojekte,
  • Unsicherheit über Integration in den unternehmerischen Alltag,
  • Fehlende Begegnungsmöglichkeiten mit geeigneten Partnern für Innovationsprojekte, Hürden bei Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen,
  • Fehlendes Personal für die Initiierung und Steuerung von Innovationsprojekten.

Um diese Barrieren zu überwinden, muss die Rolle von vermittelnden Akteuren gestärkt werden. Diese sollten über folgende Kompetenzen verfügen:

  • Methodische Vielfalt, um auf verschiedene unternehmerische Herausforderungen flexibel eingehen zu können,
  • Kenntnisse verschiedener Branchen,
  • Erfahrungen mit branchenübergreifenden Innovationsprozessen,
  • Auftreten als Innovationsscout,
  • Pflege eines Netzwerks aus Kammern, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Clusterorganisationen.

Clusterstrukturen neu verknüpfen

Neue Innovationspotenziale entstehen nicht mehr nur in den traditionell nach sektoraler Logik organisierten Clusterstrukturen, sondern vermehrt an ihren Rändern. Nur flexible Förderinstrumente und das aktive Zusammenführen potenzieller Partner können diese Potenziale entfalten.

Deutschland verfügt über mehr als 500 Cluster in 31 Technologiefeldern. Clusterpolitik ist ein wichtiges regionalwirtschaftliches Instrument. Hinter Clusteransätzen steht die Grundannahme, dass Unternehmen sich in räumlicher Nähe zueinander und entlang einer Wertschöpfungskette eines Wirtschaftszweiges ansiedeln.

Durch die enge Verbindung zueinander und zu unterstützenden Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen sowie weiteren komplementären Institutionen entstehen Wettbewerbsvorteile. Wissen wird generiert, Innovationen entstehen.

Clusterpolitik ging bisher von der Annahme aus, dass sich Wettbewerbsvorteile aus der horizontalen und vertikalen Dimension von Clustern ergeben. Aus innovationspolitischer Sicht lohnt jedoch ein Blick über die Clustergrenzen hinaus, auf die möglichen Schnittstellen von Clustern.

Durch die Neukombination vorhandener Kompetenzen, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von »emerging industries«, kommt es zu einer vollkommen neuen industriellen Wertschöpfungskette bzw. zur radikalen Umgestaltung einer bereits existierenden.

Dabei kommt es nicht darauf an, »alle mit allen« zu vernetzen, in der Hoffnung, dass sich die richtigen schon finden werden. Zwar sollten auch zufällige Begegnungen ermöglicht werden, aus clusterpolitischer Sicht kommt es jedoch darauf an, diejenigen Cluster-Akteure miteinander in Verbindung zu bringen, die durch ihre Zusammenarbeit neue Wertschöpfungsketten generieren können .

Dies öffnet nicht nur die Perspektive für den mit dem Begriff »cross industry innovation« erfassten Technologietransfer zwischen unterschiedlichen Branchen, sondern auch für radikale Innovationen.